Das Format der World Baseball Classic sorgt weiterhin für Stirnrunzeln bei Baseball-Puristen. Weltmeisterschaft oder großes internationales Spektakel? Die Frage ist berechtigt.
Denn im Gegensatz zu klassischen Wettbewerben, die von einem internationalen Verband organisiert werden, wird dieses Turnier nicht von der World Baseball Softball Confederation, sondern von einem privaten Unternehmen organisiert: der Major League Baseball.
Direkte Folge: Manchmal steht die Show vor der sportlichen Orthodoxie. Stadionwahl, Kalender, Turnierformat und vor allem die Auswahl der Spieler – alles folgt eher einer Show-Logik als der eines Nationen-Championats, wie man es bei den Olympischen Spielen sehen würde.
Also ja, die Frage kommt regelmäßig in den Tribünen und Redaktionen auf: Ist das wirklich eine Weltmeisterschaft?
Die Favoriten sind da… oder fast
Die Gruppenphase hat ihr Urteil gefällt, und insgesamt bestätigen sich die Prognosen der Sportjournalisten weltweit.
Die großen Mächte sind am Start: Japan, USA, Dominikanische Republik
Die Teilnahme von Venezuela und Südkorea war ebenfalls erwartet worden.
Aber wie bei jedem Wettbewerb, der sich respektiert, haben einige Überraschungen den Menü gewürzt.
Zunächst die Qualifikation von Puerto Rico, weniger offensichtlich als erwartet. Und vor allem die von Italien, die echte Sensation der ersten Runde.
Umgekehrt ist das Fehlen von Kuba im Viertelfinale ein kleines seismisches Beben in der Welt des internationalen Baseballs.

Italien, die Königin der ersten Runde
Auf europäischer Seite hat eine Mannschaft klar ihren Mann gestanden: Italien.
Vier Spiele, vier Siege.
Ein perfekter Lauf, gleichauf mit Japan und der Dominikanischen Republik.
In der Zwischenzeit: Großbritannien verliert dreimal in vier Spielen, die Niederlande erleiden dasselbe Schicksal, Israel verpasst knapp die Qualifikation mit zwei Siegen und zwei Niederlagen, und die Tschechische Republik beendet die Runde mit vier Niederlagen, aber mit einem Aufgebot, das weitgehend aus nationalen Spielern besteht
Und hier beginnen die Puristen wieder zu husten.
Eine WM… sehr MLB
Denn hinter den Fahnen und Hymnen ist die Realität einfach: Das Turnier ähnelt oft einem großen Familientreffen der MLB-Spieler und des japanischen Baseballs.
Man weiß seit langem, dass die Karibik ein hervorragendes Talentreservoir für die MLB ist. Aber einige Auswahlmannschaften stützen sich fast ausschließlich auf Doppelstaater.
Das gilt insbesondere für: Italien, Israel, Niederlande, Brasilien und Australien
Bei diesem kleinen Spiel der Abstammung und des Sportpasses scheint Italien die richtige Formel gefunden zu haben.
Und ehrlich gesagt, Frankreich ist auch nicht unschuldig: Bei den Qualifikationen 2023 unter der Leitung von Bruce Bochy hatte es ebenfalls stark auf ausländische Spieler zurückgegriffen, die seit langem in Frankreich spielen.

Japan immer an der Spitze
Während einige ihre Aufstellungen basteln, spielt Japan weiter… Baseball.
Es beeindruckt immer durch seine technische Meisterschaft und die Tiefe seines Kaders.
Titelverteidiger Japan kann auf Stars wie Shohei Ohtani oder Seiya Suzuki zählen
Ohtani wurde bisher sparsam eingesetzt… aber bei der Vorliebe des Turniers für Spektakel wäre man nicht überrascht, ihn im Finale auf dem Hügel zu sehen.
Schließlich ist in diesem Wettbewerb die Show nie weit entfernt.

Die Karibik, ewige Außenseiter
Auf karibischer Seite ändert sich die Hierarchie.
Früher von Kuba dominiert, glänzt der regionale Baseball heute mit:
- der Dominikanischen Republik
- Venezuela
- Puerto Rico
Drei Nationen, die weiterhin zu den größten Talentschmieden der MLB gehören.
Italiens Coup gegen die USA
Zu den Höhepunkten der Gruppenphase: der Sieg Italiens gegen die USA.
Aber einige Beobachter spötteln bereits:
Hätte die B-Mannschaft der USA/MLB (Italien) die B-Mannschaft der USA besiegt?
Man muss sagen, dass der US-Trainer vielleicht dachte, bereits qualifiziert zu sein, und seinen Kader stark rotieren ließ.
In der Zwischenzeit sicherte sich Vinnie Pasquantino, Spieler der Kansas City Royals, mit einem Triple-Home-Run im Spiel einen Moment der Geschichte.

Ein wachsender Wettbewerb
Trotz all dieser Diskussionen ist eines sicher: Das Turnier begeistert.
Die weltweite Reichweite der World Baseball Classic ist im Vergleich zur vorherigen Ausgabe stark gestiegen.
Der internationale Baseball wird immer multipolarer, mit mehreren Entwicklungsmodellen:
- Modell starke nationale Liga: Japan
- Modell Diaspora: Italien, Israel
- Modell Talente-Exporteur: Karibik
- Modell Super-Weltliga: MLB
Und jetzt?
Die Viertelfinals versprechen einige interessante Szenarien.
Man könnte sehen: Italien versucht, Puerto Rico zu überraschen, und Japan entledigt sich Venezuelas
Auf der anderen Seite des Tableaus: Kanada gegen die USA und Südkorea gegen die Dominikanische Republik
Die Konfrontation USA/Kanada hat sogar eine kleine diplomatische und wirtschaftliche Note in letzter Zeit… aber auf dem Feld bleibt die Lücke real.
Ein Traum von einer italienischen Halbfinalteilnahme?
Am Ende bleiben wir große Kinder – vor allem, wenn es um Baseball geht.
Also ja, es würde uns nicht stören, Italien im Halbfinale zu sehen. Auch wenn dieses Team nur auf dem Papier zur Hälfte italienisch ist.
Und während Europa diesen etwas seltsamen Wettbewerb entdeckt, bereiten Sie Ihren Kaffee vor.
Denn nach einem Wochenende mit Viertelfinals und Halbfinals wird das Finale – sehr wahrscheinlich ein Remake des Duells USA gegen Japan – in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag ausgetragen.
Und wie immer beim Baseball:
man verspricht, früh ins Bett zu gehen… und endet vor dem Bildschirm bis zum letzten Wurf.




